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„Kein Verstehbuch, sondern ein Erfahrungsraum, in dem wir uns selbst begegnen“

„Kein Verstehbuch, sondern ein Erfahrungsraum, in dem wir uns selbst begegnen“

Artikel: „Kein Verstehbuch, sondern ein Erfahrungsraum, in dem wir uns selbst begegnen“

„Kein Verstehbuch, sondern ein Erfahrungsraum, in dem wir uns selbst begegnen“

Interview mit Hiekyoung Blanz, Coach, Tänzerin und Begründerin von IntuiMotion®

„Mit IntuiMotion setze ich beim Erleben an: Du liest nicht nur über den Weg zu dir selbst, du spürst dich im eigenen Körper, jetzt, in diesem Moment. Kleine Übungen und bewusstes Hinspüren – ich spreche im Buch von ‚Erfahrungsräumen‘ – geben uns die Möglichkeit, uns jenseits unserer Gedanken und Selbstbilder zu begegnen; die beschriebenen ‚Spielfelder im Alltag‘ bringen diese Erfahrungen mitten ins Leben. Es geht darum, immer wieder kurz innezuhalten und zu bemerken, was gerade da ist. Mit der Zeit wird aus diesen kleinen Momenten etwas Vertrautes!“ Hiekyoung Blanz, Autorin des Buchs „Die Kunst, im Hier und jetzt zu leben“ und Begründerin von IntuiMotion®, ist überzeugt, dass wir durch sanfte Körperübungen, intuitive Bewegung und Stillemomente immer wieder und immer leichter zu uns zurückfinden – auch mitten im Trubel des Lebens.

Der Titel des Buches „Die Kunst, im Hier und Jetzt zu leben“ klingt nach etwas, das viel Theorie und Praxis verlangt. Was unterscheidet Ihre Methode von anderen Ratgebern und Coachings, die zu einer Reise zu sich selbst einladen?

Hiekyoung Blanz: Die meisten Wege zu sich selbst setzen beim Verstehen an. Dort geht es oft darum, etwas zu begreifen, umzudenken oder eine neue Perspektive einzunehmen. Mein Weg setzt beim Erleben an. Im Buch gibt es dafür sogenannte „Erfahrungsräume“, kleine Übungen – ein bewusster Atemzug, ein Spüren des eigenen Gewichts, ein kurzes Innehalten –, die du direkt beim Lesen ausprobieren kannst. Das Buch ist deshalb kein Verstehbuch, sondern ein Erfahrungsraum. Du liest nicht nur über den Weg zu dir selbst, du spürst dich im eigenen Körper, jetzt, in diesem Moment.

Als Improvisationstänzerin ging es Ihnen zunächst um Präsenz als körperliche Erfahrung; als Coach für The Work of Byron Katie™ kam dann die Klärung der Gedanken dazu. Wie ist daraus IntuiMotion® entstanden, und wofür steht dieses Konzept?

Hiekyoung Blanz: Als Tänzerin ging es mir zuerst nur um den Körper, um Präsenz auf der Bühne, im Raum, in der Bewegung. Durch The Work of Byron Katie™ kam dann etwas dazu, das mir vorher gefehlt hatte: der Blick auf die Gedanken. Ich lernte, wie sehr uns unsere eigenen Gedanken gefangen halten können, ohne dass wir es merken. In meiner Arbeit als Coach sah ich dann etwas Wichtiges: Wir können sehr viel über uns verstanden haben und trotzdem im Alltag immer wieder in dieselben alten Reaktionen zurückrutschen. Genau da wurde für mich der Körper wieder wichtig. IntuiMotion ist aus dieser Verbindung entstanden, als körperlicher, intuitiver Weg zurück zu sich selbst, nicht nur über den Kopf, sondern über das eigene Erleben.

Über sanfte Körperübungen, intuitive Bewegung und Momente der Stille eröffnen Sie Erfahrungsräume, um sich selbst wieder zu begegnen. Worauf gründen sich diese drei Zugänge, und welche Ordnung fügt sie zu einem ganzheitlichen Weg?

Hiekyoung Blanz: Im Körper begegnen wir uns als Form, in der Bewegung als Ausdruck und in der Stille als Sein. Das sind für mich keine drei getrennten Themen. Der Körper holt uns ins Jetzt, ganz konkret über den Atem oder das Spüren der Füße auf dem Boden. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit dorthin bringen, bemerken wir, dass längst etwas in Bewegung ist, ein leichtes Ziehen, ein Kribbeln, ein Impuls. Die Stille entsteht nicht erst, wenn die Bewegung aufhört, sondern begleitet sie wie ein stiller Hintergrund. In ihr müssen wir nichts tun oder erreichen. So greifen die drei Zugänge ineinander und können gleichzeitig erfahrbar sein, ohne einer festen Reihenfolge zu folgen.

„Der erste Zugang ist dein Körper. Er ist immer hier, auch wenn dein Kopf längst bei einer Sorge, einem Plan oder einem Gespräch von gestern ist. Sobald du dich ihm zuwendest, entsteht oft schon der erste Kontakt mit dir. Von dort führt Bewegung weiter. Sie öffnet etwas, das innerlich fest geworden ist. Manchmal genügt ein kleines Schütteln, ein Schritt durch den Raum, ein Atemzug, der wieder tiefer fällt. Etwas kommt in dir wieder in Fluss. Dann gibt es die Stille. In ihr lässt der Druck nach, immer weitermachen zu müssen. Die Gedanken werden leiser, und du nimmst dich wieder wahr. Für einen Moment darfst du einfach da sein.“ Hiekyoung Blanz in „Die Kunst, im Hier und Jetzt zu leben“

Ihr Buch fokussiert auf den körperlichen Erfahrungsweg und bietet eine seltene Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe, spielerischem und intuitivem Vorgehen. Das bezieht sich auch auf die einzelnen Kapitel, die nicht zwingend nacheinander abgearbeitet werden müssen. Wie finden die Leser hier die „richtige“ Route für ihre Reise?

Hiekyoung Blanz: Ich empfehle, sich beim Lesen von der eigenen Intuition leiten zu lassen. Manche Kapitel sprechen in einem bestimmten Moment stärker an als andere, und genau das darf der Wegweiser sein. Es geht nicht darum, alles der Reihe nach abzuarbeiten. Vielleicht berührt eine Geschichte besonders, oder eine Übung weckt echte Neugier. Dann lohnt es sich, dort ein wenig zu bleiben und genauer hinzuspüren. Und wenn etwas gerade nicht passt, darf es einfach übersprungen und später noch einmal aufgegriffen werden.

Es sei etwas anderes zu wissen, dass man einen Körper hat, als wirklich in ihm zu sein. Die im Buch vorgestellten Übungen aus IntuiMotion® zielen darauf ab, dem Körper zu vertrauen, dass er antworten darf, bevor der Kopf alles geordnet hat. Womit sollte man dafür am besten beginnen?

Hiekyoung Blanz: Der erste Schritt ist für mich, überhaupt wieder zu bemerken, was im Körper gerade da ist, ohne sofort etwas daraus machen zu müssen. Der Atem ist dafür ein besonders guter Zugang, weil er die Aufmerksamkeit in den inneren Raum des Körpers führt. Von dort aus können wir feiner spüren, was sich zeigt, vielleicht ein Kribbeln, Wärme oder ein Impuls, sich zu bewegen. Entscheidend ist, nicht gleich einzugreifen oder alles verstehen zu wollen, sondern einen Moment innezuhalten. So wächst nach und nach das Vertrauen in den Körper, der oft schon eine Antwort hat, während der Kopf noch sucht.

„Diese Baumscheibe spiegelt symbolisch wider, was in unserem Leben geschehen kann, wenn wir uns innerlich leer fühlen und versuchen, diese Leere durch äußere Mittel zu füllen. Ähnlich wie der faule Stamm im Inneren des Baumes, der nur noch äußerlich stabil erscheint, können auch wir uns selbst täuschen, indem wir äußerlich Erfolg, Konsum, Vergnügen und Ablenkungen suchen, ohne unsere innere Leere wirklich anzugehen. Doch wie der Baum letztendlich gefällt werden musste, um Gefahr abzuwenden, müssen auch wir uns irgendwann mit unserer inneren Leere auseinandersetzen. Das bedeutet, die Wurzeln unseres Unbehagens zu erkennen und anzugehen, statt oberflächliche Lösungen zu suchen. Nur indem wir uns selbst auf einer tieferen Ebene kennenlernen und verstehen, können wir wahre Stabilität und Erfüllung finden, die nicht von äußeren Umständen abhängig ist.“ Hiekyoung Blanz auf Facebook

Nach der Lektüre des Buches holt einen das Leben meist wieder ein. Wie gelingt es, den eingeschlagenen Weg lebendig zu halten und auch im Alltag fortzusetzen? Wie können die Erfahrungen aus den Übungen weiterwirken und vertieft werden?

Hiekyoung Blanz: Wichtig ist mir, dass dieser Weg mit der letzten Buchseite nicht endet. Die „Erfahrungsräume“ geben uns zunächst die Möglichkeit, uns jenseits unserer gewohnten Gedanken und Selbstbilder zu begegnen. Die im Buch beschriebenen „Spielfelder im Alltag“ bringen das dann mitten ins Leben – beim Gehen, beim Warten, in einem Gespräch. Dafür braucht es keine zusätzliche Übungszeit oder einen besonderen Rahmen. Es geht darum, immer wieder kurz innezuhalten und zu bemerken, was gerade da ist, und bei uns anzukommen. Mit der Zeit wird aus diesen kleinen Momenten etwas Vertrautes, und wir finden immer leichter zu uns selbst zurück, auch mitten im Trubel des Lebens.

Hiekyoung Blanz
Die Kunst, im Hier und Jetzt zu leben
Wie Körper, Bewegung und Stille dich zu dir selbst führen
Mankau Verlag, 1. Aufl. September 2026
Klappenbroschur, 13,5 × 21,5 cm, 207 Seiten
ISBN 978-3-86374-808-1
20,00 € (D) / 20,60 € (A)
Mehr zum Buch →

Link-Empfehlungen:

Mehr zum Buch „Die Kunst, im Hier und Jetzt zu leben“ →
Zur Leseprobe im PDF-Format →
Mehr über Autorin Hiekyoung Blanz →
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